Panikattacke – Wenn der Körper Hilfe schreit

Panikattacke – Wenn der Körper Hilfe schreit

Als Panikattacke wird das plötzliche und unerwartete Auftreten einer psychischen und/oder physischen Alarmreaktion des Körpers ohne objektiv erkennbaren Anlass bezeichnet. Häufig geht dieses Befinden, das meist nur einige Minuten anhält, mit Zuständen wie Schweißausbrüche oder Hyperventilation einher. Den betreffenden Personen ist allerdings häufig gar nicht klar, dass es sich bei ihren Symptomen um die Begleitumstände einer Panikattacke handelt. Eine gründliche Abklärung ist unbedingt erforderlich!

Wie macht sich eine Panikattacke bemerkbar?

Bis zu 22 Prozent der Menschen erleiden [i]um das 20. Lebensjahr herum[/i] zumindest einmal eine Panikattacke. Bei einigen davon entwickelt sich daraus eine Angststörung – [i]die Wahrscheinlichkeit beträgt bei Männern 2,2 und bei Frauen 5,5 Prozent[/i].

Anhand dieser Symptome erkennst du, ob du an Panikattacken leidest:

  • Engegefühl bzw. Beklemmung in Brust und Kehle
  • Atemnot oder Hyperventilation
  • Schweißausbrüche
  • Zittern, Übelkeit, Erbrechen
  • Kribbelgefühl, vorwiegend im Gesicht und an den Händen
  • Muskelkrämpfe
  • Schwindelgefühl
  • Herzrasen
  • Angst vor dem Sterben oder Durchdrehen
  • De-Realitionsgefühl (alles wirkt irreal, fremd)
  • De-Personalitionsgefühl (man „steht neben sich“)
  • Angst davor, seine vier Wände zu verlassen (Agoraphobie)

Dauer einer Panikattacke

In der Regel beträgt die Dauer der Panikattacke nur wenige Minuten, doch bei einigen Personen kann diese auch länger anhalten, im Extremfall bis zu mehrere Stunden – mit an- und abschwellender Intensität. Bei einigen Betroffenen stehen die psychischen, bei anderen die physischen Auswirkungen im Vordergrund.

Die meisten Menschen ordnen die Symptome anfangs allerdings nicht diesem speziellen Gesundheitsproblem zu. Sie  sind eher verunsichert und denken an verschiedenste schlimme Krankheiten.

Man nimmt seine Befindlichkeit nämlich durchaus als lebensbedrohlich wahr, da die vegetativen Reaktionen des Körpers eine erhöhte Gefahr simulieren. Die meisten Betroffenen denken daher automatisch an den tödlichen Verlauf ihres Zustands, wobei die Panik vor dem Sterben das beklemmende Gefühl natürlich verstärkt und ein verhängnisvoller Kreislauf entsteht. Außerdem löst die Furcht vor der nächsten Panikattacke selbige auch wiederum aus – und dieses andauernde aufgeregte Gefühl der Verunsicherung und Schwäche schlägt auf die Psyche.

Viele der Betroffenen leiden im Rahmen ihrer Angststörung zusätzlich unter Agoraphobie.

Es handelt sich dabei um die starke Abneigung vor Menschenmengen und/oder öffentlichen Plätzen. Damit einhergehend, die Unfähigkeit, die eigene Wohnung bzw. das Haus zu verlassen.

Schon alleine der Gedanke daran,

  • sich alleine außerhalb seiner vier Wände zu befinden,
  • mehrere Stationen mit dem Bus zu fahren oder gar zu verreisen,

schnürt einem die Kehle zu.

Die Furcht vor dem Verlassen des geschützten Heims steht in engem Zusammenhang mit dem Gedanken an peinliche oder lebensbedrohliche Situationen vor fremden Menschen, der Angst vor Kontrollverlust und dem Ausbleiben von Hilfe.
Diese Art der Beklemmung geht allerdings nicht nur mit der Angststörung Hand in Hand, sie kann auch ein Vorbote von Panikattacken sein.

Was tun bei einer akuten Panikattacke

Ausgelöst werden Panikattacken häufig durch Fehlinterpretationen körperlicher Zustände sowie von Stress, Burn-out, Problemen und Sorgen oder Depressionen. Auch Drogenmissbrauch führt zu Angstzuständen, die meistens chronisch erhalten bleiben, auch wenn man die Sucht besiegt hat.
Schüchterne Kinder und Jugendliche erleben in der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter eine Panikattacke häufig in Prüfungssituationen. In vielen dieser Fälle handelt es sich dabei um den einzigen Auslöser, und die Störung verschwindet, sobald die Person älter, reifer und selbstbewusster wird.
Ein längerfristiger Zustand der Beklemmung allerdings sollte [i]möglichst früh behandelt werden[/i], um bessere Erfolgsergebnisse zu erzielen. Ideal eignet sich hierfür eine Kombination von Psychotherapie und Angst hemmenden Medikamenten.
Doch wie reagierst du im Falle einer unmittelbaren Panikattacke, wenn dich aus heiterem Himmel die nackte Angst überkommt?

Folgend die sieben hilfreichsten Tipps für Erste-Hilfe-Maßnahmen im Akutfall:

  • Bauchatmung: Wenn du bemerkst, dass du in Panik schnell und flach atmest, achte darauf, tief Luft zu holen und diese in den Bauch zu „saugen“; dann langsam und bewusst wieder ausatmen. Den Vorgang wiederholst du so lange, bis deine Atmung wieder ruhig fließt.
  • Muskelentspannung: Konzentriere dich auf jeden einzelnen Körperteil, speziell auf Kiefer, Nacken, Schultern, Hände und Gesäß, und versuche, locker zu lassen, die Muskeln zu entspannen. Mach einen Buckel und schlenkere mit den Gliedmaßen. (Eine gute Vorbeugung sind Übungen gemäß der progressiven Muskelentspannung nach Jacobsen)
  • Auflockerung: Steck dir einen Kaugummi in den Mund und beginne, zu kauen – das lockert deine Gesichts- und Kiefermuskulatur und baut Stress ab. Alternativ kannst du die Kaubewegung natürlich auch simulieren oder einfach ein Stück Brot essen.
  • Gedankenumlenkung: Wenn du spürst, dass eine Panikattacke anrollt, lenke deine Gedanken auf etwas Positives: Was könntest du deiner besten Freundin zum Geburtstag schenken? Welcher Liebesfilm gefällt dir am besten und warum? Welche Pläne hast du bezüglich deines nächsten Urlaubs?
  • Akzeptanz: Du solltest die Panikattacke keinesfalls mit Gewalt verdrängen wollen – sie ist wie ein Dämon, und packt dich genau dann umso häufiger und heftiger. Lass die Angst zu, erkläre ihr, dass sie ruhig hin und wieder auftauchen darf, und erkenne, dass sie dir nichts Schlimmes anhaben kann.
  • Kommunikation: Sprich mit jemanden und schildere deine Befindlichkeit, wenn du merkst, du bekommst eine Panikattacke. Wenn es nicht anders geht, rede ruhig auch mit dir selbst und deinen Symptomen, so etwa: „Hallo, da seid ihr ja. Tobt euch ruhig aus, ich bin gesund, ihr könnt mir nichts tun.“
  • Singen und Tanzen: Dreh Musik auf, die du am liebsten magst, und summe oder singe mit – das macht glücklich, und du setzt damit eine effektive Gegenreaktion. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dir die Angst aus dem Körper zu tanzen.

Wie können Yoga oder Pilates bei einer Panikattacke helfen?

Generell hilft Bewegung sowieso gegen Panikattacken – einige der Betroffenen tanzen, weil es einen Ausdruck von positivem Körpergefühl und Freude am Rhythmus vermittelt. Die anderen gehen joggen (so sie nicht an Agoraphobie leiden), weil ihnen die frische Luft, der Einklang mit der Natur und das Gefühl von gesunder Fitness gut tun.

Besonders effektiv wirken allerdings Entspannungsübungen auf Körper, Geist und Seele. Da während einer Panikattackealle drei Komponenten des Menschen in Aufruhr sind, und nachhaltig wieder in ein harmonisches Gleichgewicht und in Einklang gebracht werden sollen, ist meditatives Training der ideale Ausgleich.

Mittlerweile existiert eine Fülle an Yoga-Übungen, die Angststörungen entgegenwirken oder die dabei helfen, die Symptome zu lindern und einen akuten Anfall abflauen zu lassen. Die sanften Bewegungen bewirken eine Beruhigung des gesamten Organismus und helfen längerfristig, die Fähigkeit der Selbstregulation zu stärken. Du erlernst dabei, dich selbst zu steuern und zu kontrollieren. Darüber hinaus sinken Blutdruck und Puls, der Geist kehrt zur Logik zurück. Du weißt, dass keine reale Bedrohung existiert, was wiederum deine Seele beruhigt.

Langfristig verändert Yoga deine Gehirnwellen und versetzt dich in einen allgemein entspannten Zustand, in dem Panikattacken weniger Chancen haben. Sorgen und Stress reduzieren sich und du wirst mit Energie geflutet, die dir ebenfalls im Kampf gegen die Angststörung hilft.

Ganz ähnlich wirkt Pilates! Hier aktivierst du mit den Übungen dein inneres Kraftzentrum, dein „Powerhouse“.
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Du achtest dabei sehr genau und achtsam auf deine Atmung, die bei den jeweiligen Übungen den gesamten Brustraum ausfüllen sollen. Pilates schult außerdem

Die Aufmerksamkeitauf das eigene Wohlbefinden sowie die innere Zentrierung, sodass du im Falle einer Panikattacke rasch wieder ganz bei dir bist

abseits unreeller Ängste. Wenn du dieses Fitnesstraining mit ein paar einfachen Einheiten dauerhaft in deinen Alltag integrierst, schaffst du dir einen „Kraftpolster“ für kommende Angstzustände.

Ist es eine Panikattacke oder doch ein Herzinfarkt?

Erst Ende 2017 lautete eine Schlagzeile in den Nachrichten:

Popsänger Harry Styles unterbrach Konzert, um Fan mit Panikattacke zu helfen!

Die betroffene Person war aufgrund der Enge und Hitze inmitten Tausender Fans sowie wegen des Lärms nicht nur kollabiert. Sie hat Panik bekommen und einen Herzinfarkt befürchtet. Zum Glück stellte sich dieser Zusammenbruch „nur“ als Angstzustand heraus – organisch war alles in Ordnung.
Doch wie unterscheidet man eine Panikattacke von einem Herzinfarkt? Wenn nicht Tausende von Menschen und zahlreiche Sanitäter in der Nähe sind oder man unter Umständen sogar alleine zu Hause ist?
Einige Symptome, wie

  • Herzrasen,
  • Schweißausbrüche und
  • Beklemmungsgefühle, ähneln sich tatsächlich

Dennoch sind die Anzeichen für einen Herzinfarkt viel spezifischer. Und wenn du die Unterschiede kennst, bleibst du bei deiner nächsten Panikattacke bereits viel ruhiger, weil du weißt, dein Herz lässt dich nicht im Stich.

Folgend die Unterschiede zwischen Panikattacke und Herzinfarkt:

  • Schmerzen in der Brust
    Panikattacke: unangenehmes Ziehen, begleitet von leichtem Druck, in der Brust, lokal beschränkt.
    Herzinfarkt: starke Schmerzen oder heftiges Brennen, Symptome strahlen meist zu den Schultern, in den Kopf und bis zum Oberbauch hin aus.
  • Atemnot, Beklemmung und Engegefühl
    Panikattacke: Engegefühl, das auf den ganzen Körper überschwappt, als könne man „nicht aus seiner Haut“.
    Herzinfarkt: massive Enge, Beklemmung und Atemnot, die von starkem Druck nur im Bereich des Herzens begleitet ist.
  • Übelkeit
    Panikattacke: diffuses Unwohlsein, unspezifische Anzeichen, seltener Erbrechen.
    Herzinfarkt: heftige Übelkeit, mit oder ohne Erbrechen, häufig in Kombination mit starken Schmerzen im Bereich des Oberbauchs.
  • Schweißausbrüche
    Panikattacke: heftiges, schubweises Schwitzen, Hitzewallungen, rote Gesichtsfarbe.
    Herzinfarkt: Schwitzen bei kalter, fahler Haut, in Kombination mit den genannten anderen Symptomen.

Wenn du die Unterschiede zum Herzinfarkt kennst, kannst du besser mit deinen Panikattacken umgehen und zumindest diesen Angstfaktor relativ rasch ausschließen.

Aber, und das ist wichtig: Hast du dennoch das Gefühl, alle Symptome deuten ganz gezielt auf einen Herzinfarkt hin, ruf den Notarzt an. Denn mit einer derart lebensbedrohlichen Situation ist nicht zu spaßen! Mach dir keine Sorgen darüber, dass du vom behandelnden Mediziner vielleicht schief angeschaut wirst, wenn es sich um einen Fehlalarm handelt - es ist nichts peinlich daran, Angst um sein Leben zu haben!

Panikattacke – Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Bei den meisten Menschen beginnt die Reise auf dem Weg zur Therapie mit einem „Doctor Shopping“. Ganz einfach weil ihnen anfangs noch nicht klar, welches gesundheitliche Problem hinter den Symptomen steckt. Sobald sie die Diagnose erhalten haben und wissen, sie leiden unter einer Angststörung, trauen sich viele nicht mehr, weitere medizinische Maßnahmen in Angriff zu nehmen, und genieren sich für ihre Erkrankung.

Häufig wissen nicht einmal die engsten Freunde oder die Familie über das gesundheitliche Problem Bescheid und wundern sich darüber, dass sich die betroffene Person aus unerklärlichen Gründen von ihrer Umwelt distanziert. Doch Rückzug und Resignation sind der falsche Weg, um mit diesem Leiden fertig zu werden – vielmehr sollte man alle Kraft und Energien bündeln, um der grundlosen Furcht den Kampf anzusagen.
Wenn dich öfter als zehn Mal pro Jahr eine Panikattacke überkommt, solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen. Dieser sollte auf Angststörung spezialisiert sein. Zuerst werden organische Erkrankungen ausgeschlossen, da in seltenen Fällen beispielsweise auch Stoffwechselstörungen zu den Schüben führen können. Danach wird in einem klärenden Gespräch eine Therapie festgelegt – häufig eine Kombination aus Gesprächen mit einem Psychotherapeuten und Angst hemmenden Medikamenten.

Panikattacken stellen eine funktionelle Störung dar. Das bedeutet, dass nicht die Funktion an sich krankhaft ist, sondern deren Steuerung,

verdeutlicht Christa Roth-Sackenheim, die Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater. Sie versichert, dass alle Patienten mit Angststörungen relativ rasch geheilt werden können. Außer, sie sind durch ein reelles Erleben schwer traumatisiert.

Wenn du einen Riesen erblickst, der mit dir kämpfen möchte, sei ohne Furcht. Überprüfe zuerst den Stand der Sonne und du wirst sehen, dass es sich bei dem Riesen vielleicht nur um den Schatten eines Zwerges handelt. (Chinesisches Sprichwort)

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