Depression – Das ist nicht das Ende

Depression - Das ist nicht das Ende

Depression – Das ist nicht das Ende

Die Diagnose „Depression“ wird von Betroffenen häufig zunächst in Frage gestellt.

  • Ist es nicht einfach so, dass aktuell besondere Belastungen zu einer gedrückten Stimmung führen?
  • Oder könnten die vielfältigen Beschwerden und Schmerzen nicht auch eine körperliche Ursache haben?

Die Depression wird nicht umsonst als eine „Krankheit der vielen Gesichter“ bezeichnet. So vielfältig wie die Ursachen sind auch die Symptome, mit denen Betroffene kämpfen.

Dabei ist die Depression keine vorübergehende Phase der schlechten Laune und getrübten Stimmung. Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die je nach Ausprägung die Lebensqualität einschränkt und gar bis zum inneren Aufgeben des Patienten mit Suizidgedanken und -handlungen führt.

Doch die einmal erkannte Gefahr Depression kann durch die richtige Unterstützung auch überwunden werden. Die Depression ist keine Erkrankung der Schwäche oder gar ein Zeichen von Charaktermängeln und reduzierter Belastbarkeit. Im Gegenteil.

Die Depression ist eine Erkrankung, die Menschen in

  • jedem Alter,
  • jeder sozialen Stellung und
  • in jedem Umfeld treffen kann.

Statistisch gesehen trifft es intelligente Menschen und Personen mit einem hohen Engagement und Selbstdisziplin sogar häufiger als andere. Die Ursachen und die Intensität der Erkrankung sorgen für eine Unterscheidung aus medizinischer Sicht. Alle Arten der Depression lassen sich jedoch heute behandeln und häufig bis hin zur Genesung voranbringen.

Solltest Du einer Depression erkranken, solltest Du Dir darüber klar sein:

Das ist nicht das Ende. Es gibt immer eine Lösung.

 

Welche Arten von Depression gibt es?

Depressionen sind mit vielfältigen Vorurteilen behaftet. Die Erscheinungs- und Beschwerdebilder sind sehr variabel und entsprechend nur von Fachkräften wirklich in das richtige Krankheitsbild einzuordnen. Vorrangig werden Depressionen in vier Hauptgruppen unterteilt:

  • endogene Depression
  • somatogene Depression
  • psychogene Depression und
  • Depressionen in besonderen Lebenslagen

Gemeinsam ist den verschiedenen Arten der Depression, dass sie die Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigen. Was von außen oft als schlechte Stimmung, Traurigkeit und Niedergeschlagenheit wahrgenommen wird, ist in Wirklichkeit eine schwerwiegende Erkrankung, die der gezielten Behandlung bedarf.

Vielfach werden Betroffene mit guten Ratschlägen konfrontiert, die durch das verbreitete Halbwissen zu Problemen führen können. Verallgemeinerungen des vielfältigen Krankheitsbildes sind somit schädlich. Und was dem einen Patienten hervorragend hilft, kann für den nächsten eine völlig falsche Vorgehensweise darstellen. Um die Depression behandeln zu können, muss erst Klarheit über die Depressionsart erzielt werden.

Endogene Depressionen

Die endogene Depression gilt als eine Depressionsart, bei der weder körperliche noch psychische Ursachen offensichtlich sind. Der Begriff „endogen“ beschreibt die Entwicklung „von innen heraus“. Häufig gehen endogene Depressionen mit Störungen im Gehirnstoffwechsel einher, beispielsweise mit einem Ungleichgewicht zwischen Bedarf und Vorhandensein von Serotonin, Noradrenalin oder den für den Stoffwechsel wichtigen Botenstoffen und Aminosäuren (z.B. Tryptophan).

Die klassische Variante der endogenen Depression ist die Major Depression, der häufig ein einschneidendes Erlebnis,

  • beispielsweise ein zwischenmenschlicher Verlust oder
  • eine traumatische Erfahrung, vorangeht.

Ihre Symptome gelten als klassisch für die Erkrankung und können mit

  • Ruhelosigkeit,
  • Energielosigkeit,
  • anhaltend gedrückter Stimmung neben
  • Entscheidungsschwierigkeiten,
  • Interessenverlusten,
  • extremen Appetitschwankungen und
  • Schlafproblemen

sichtbar werden. Verbreitet ist auch ein Gefühl von Wert- und Sinnlosigkeit, Schuldgefühle bis hin zu Suizidgedanken.

Neben der Major Depression zählen auch die unipolare und die bipolare Depression zu den endogenen Depressionsarten. Hierbei bezieht sich die Bezeichnung auf den Stimmungsverlauf. Ist dieser unipolar, wechseln sich eine normale und eine niedergeschlagene Stimmungslage ab, während die bipolare Depression teils massiv zwischen manischen Hochphasen mit Energieschüben und auffallend guter Laune sowie depressiven Tief-Episoden schwankt.

Weitere Varianten der endogenen Depressionen finden sich in der Zyklothemia, die ebenso wie die bipolare Störung mit starken Stimmungsschwankungen einhergeht, oder in der Dysthymia, die als chronische Depressionserkrankung weniger schwere, doch dafür länger dauernde depressive Episoden mit sich bringt.

Somatogene Depressionen

In den Bereich der somatogenen Depressionen werden all Erkrankungen gezählt, die in einem direkten Zusammenhang mit körperlichen Krankheiten stehen. Dabei wird diese Depressionsart zusätzlich in drei Richtungen unterteilt: symptomatische, pharmakogene und organische Depressionen.

Die somatogenen Depressionen werden durch schwerwiegende und meist unheilbare Krankheiten hervorgerufen. Hierzu zählen unter anderem Morbus Cushing, Schilddrüsenerkrankungen, Krebserkrankungen, Infektionskrankheiten wie TBC, AIDS oder Nierenerkrankungen. Auch Lungenerkrankungen und Mangelerkrankungen durch fehlende Vitamine können zu symptomatischen Depressionen führen.

Psychogene Depressionen

Psychogene Depressionen stehen stets in einem nachweisbaren Zusammenhang mit besonderen Belastungssituationen. Die Lebenssituation oder aktuelle Geschehnisse werden durch die mentale Belastung für den Betroffenen zum Auslöser der Erkrankung. Zumeist sind es traumatische Erlebnisse und Erfahrungen wie

  • Unfälle,
  • unerwartete Verluste und
  • intensive Lebensumstände mit viel Stress,

welche die psychogene Depression zum Ausbruch bringen. Beispiele hierfür sind die Erschöpfungsdepression oder die reaktive Depression.

Depressionen im natürlichen Lebensverlauf

Neben den bereits vorgestellten Depressionsarten können Depressionen auch durch besondere Lebenssituationen entstehen. Dabei müssen keine gravierenden Aspekte aus psychosozialen Einflüssen vorliegen. Häufig sind natürliche Hormonveränderungen im Körper der Auslöser für den Krankheitsausbruch. Diese Ursache kann sich selbst zurückbilden, kann jedoch auch durch eine unzureichende Eigenregulation des Körpers Unterstützung benötigen.

Zu den Depressionen in besonderen Entwicklungsphasen zählen beispielsweise die

  • Wochenbett-Depression,
  • die klimakterische Depression,
  • die prämenstruelle Depression,
  • die Alters-Depression oder
  • die Depression im Kindes- und Jugendalter (z.B. Pubertät).

Auch die Herbst-/Winter-Depression wird in diesen Bereich der Erkrankung gezählt, da sie mit einer veränderte Melatonin-Ausschüttung in der dunklen Jahreszeit in Verbindung gebracht wird.

Wie entsteht eine Depression?

Ebenso wie die Arten der Depressionen sehr unterschiedliche Auswirkungen haben, gibt es vielzählige Ursachen für die Erkrankung, die im Verlauf des Lebens den Ausbruch einer depressiven Episode hervorrufen und/oder verstärken können.

Grundlegend unterscheidet man die Ursachen in psychosoziale und neurobiologische Aspekte. Durch die Erforschung der Ursachen im Rahmen von ausführlicher Diagnostik und gezielter Therapie ergeben sich jeweils geeignete Behandlungsvarianten, die sich an den Hintergründen der Erkrankung ausrichten.

Zu den psychosozialen Aspekten zählen äußere Einflüsse, auf die der Erkrankte keinen oder nur geringen Einfluss hat. Typische Beispiele sind

  • Schicksalsschläge,
  • negativen Lebenserfahrungen,
  • chronisch oder akut auftretende Überbelastung und
  • Stress.

Die neurobiologischen Aspekte finden sich in genetischen Dispositionen, neurochemischen Funktionsstörungen im Hormonhaushalt oder Störungen im Stoffwechsel (z.B. im Bereich des Gehirns oder der Schilddrüse).

Beim Ausbruch einer depressiven Erkrankung kommen zumeist mehrere potenzielle Auslöser zusammen, so dass eine Vorhersage, ob ein Mensch im Laufe seines Lebens an einer Depression erkrankt, nicht im Vorfeld getroffen werden kann.

Selbst vielfältigen Belastungen muss ein Mensch nicht zwangsläufig eine Depression entwickeln. Auch kann eine überwundene Depression nur selten als vollständig „geheilt“ angesehen werden, da sie nach dem ersten Auftreten die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Erkrankung erhöht.

Entsprechend sollte die gute Therapie stets auch Lösungsansätze und Handlungsstrategien aufzeigen. Diese helfen dem Betroffenen, im Lebensalltag für mehr Achtsamkeit zu sorgen.

Achtsamkeit und Selbstfürsorge minimieren die Gefahr für ein erneutes Auftreten einer überwundenen Depression.

Welche Symptome weisen auf eine Depression hin?

Die Symptome einer Depression sind so vielschichtig wie die Arten der Erkrankung. Dennoch gibt es einige Gemeinsamkeiten, die in individuellen Kombinationen und Ausprägungen auf den Erkrankten zutreffen können.

Symptom-Liste – Depression-Test

Treffen mehr als 8 Aspekte auf Dich über einen Zeitraum von mehr als vier Wochen zu, solltest Du das Gespräch mit dem Arzt Deines Vertrauens suchen.

STIMMUNGSLAGE

  • gedrückte Stimmung mit und ohne erkennbaren Hintergrund
  • Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit
  • Gefühl von Wertlosigkeit, geringes Selbstwertgefühl
  • Verzweiflung und Traurigkeit
  • Verzweiflung und Traurigkeit
  • Schuldgefühle
  • hohe Reizbarkeit bis hin zu Aggressivität
  • fehlende/verringerte Gefühlsempfindungen („neben sich stehen“)
  • fehlende Freude an zuvor als schön empfundenen Aspekten (Hobbys, Tätigkeiten)
  • Hemmungen und Ängste
  • Zukunftsängste und fehlende Perspektiven
  • negativer Blickwinkel auf die Situation und/oder die Zukunft
  • starke innere Unruhe
  • Antriebslosigkeit, Kraftlosigkeit und Müdigkeit
  • Gedanken vom Lebensende, für immer einschlafen wollen
  • Gedanken, das Leben aktiv zu beenden

ÄUßERE ANZEICHEN

  • geduckte, vornübergeneigte Körperhaltung
  • hängende Schultern
  • verlangsamte Bewegungen
  • eintönige, langsame Sprechweise, häufig sehr leise
  • traurig wirkende Mimik / Gestik
  • keine erkennbare Mimik / Gestik
  • offensichtliche, geistige „Abwesenheit“
  • Vernachlässigung des äußeren Erscheinungsbildes („ungepflegt“)

KÖRPERLICHE SYMPTOME UND BEFINDLICHKEITSSTÖRUNGEN OHNE ORGANISCHEN BEFUND

Bereich Kopf und Nacken

  • Schmerzen durch gebeugte Haltung und seelische Anspannung
  • schmerzende Verspannungen, die sich als diffuser Druck oder Schmerzreiz zeigen
  • Zahnschmerzen, durch „Zähne knirschen“ oder „Zähne zusammenbeißen
  • empfindliche Augen, Augenreizungen, Augenzucken
  • erhöhte Lichtempfindlichkeit
  • Neigung zu Augenentzündungen
  • verschlechtertes Sehen und Sehstörungen („Schleier“ oder „Blitzen“vor den Augen)

Hals-Nasen-Ohren-Bereich

  • Druckgefühl auf den Ohren bis hin zu Hörbeschwerden, Ohrenschmerzen und Tinnitus
  • Gefühl von einem „Kloß im Hals“ oder „Enge im Hals“
  • Mundtrockenheit und Mundbrennen

Brustkorb

  • Atmungs- und Lungenprobleme, Luftnot
  • Gefühl von „Enge“ im Brustbereich
  • Gefühl von Fremdkörpern beim Atmen
  • erschwerte Atmung, Verstärkung von asthmatischen Erkrankungen
  • Keuchen durch abgeflachte Atmung
  • Herzbeschwerden wie Herzklopfen / Herzrasen, stechende Schmerzen, Druckgefühl

Kreislauf-Probleme

  • Gefühl von „weichen Knien“
  • Gefühl von Schwindel und Übelkeit
  • Schwankungen im Blutdruck (hoher oder niedriger Blutdruck)

Vegetatives Nervensystem

  • Temperaturempfindlichkeit, wechselhaftes oder einseitiges Gefühl von „zu heiß“ und „zu kalt“
  • Kälteschauer und Hitzewallungen
  • Nervenzittern oder -zucken in einzelnen oder mehreren Gliedmaßen
  • Gefühl von „Ameisenlaufen“/ Kribbeln in den Extremitäten
  • schnelles Erröten ohne erkennbaren Grund (siehe auch Kreislaufprobleme und Blutdruck)
  • Gefühl von lokalen Lähmungen, Körpersteife und Bewegungsschmerzen

Magen-Darm-Bereich

  • Bauchschmerzen und Magendruck
  • Sodbrennen oder Magenschmerzen, Entwicklung von Magenschleimhautentzündung bis hin zum Magengeschwür
  • Verstärkung von Blähungen und Verdauungsstörungen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Durchfall oder Verstopfung
  • auch: Störungen der Blasenfunktion, Reizblase mit häufigem Harndrang

Störungen des Appetits

  • Verringerung bis hin zum Verlust des Hungergefühls oder „Dauerhunger“
  • Heißhungerattacken auf süße oder salzige Speisen
  • verändertes Geschmacksempfinden
  • erheblicher Gewichtsverlust oder massive Gewichtszunahme

Schlafstörungen

  • hohes Schlafbedürfnis
  • wenig Erholungsgefühl nach dem Schlaf
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Alpträume und „wirre“ Traumerlebnisse
  • nächtliches Aufschrecken

Weitere Symptome einer Depression

  • Angstgefühle bis hin zu Panikattacken
  • Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen und Motivation zu finden
  • Antriebslosigkeit, Kraftlosigkeit
  • Verlust von Zeitgefühl oder dem Tag-Nacht-Rhythmus (siehe auch Schlafstörungen)
  • Verlust von sexuellem Interesse
  • Gefühllosigkeit oder irrationale Gefühlsreaktionen

Die Symptome können in unterschiedlichen Stärkegraden und in individuellen Kombinationen auftreten. Insbesondere die körperlichen Beschwerden finden sich zumeist in einem körperlichen Teilbereich, der zunächst auf eine körperliche Erkrankung schließen lässt.

Der schwerste und wichtigste Schritt ist jedoch die Anerkennung, dass nach Ausschluss von körperlichen Ursachen ein psychischer Hintergrund vorliegt.

Depression ist keine Schwäche, sondern eine Erkrankung, die ebenso wie eine Verletzung oder eine sichtbare Erkrankung behandelt werden muss.

Welcher Arzt stellt die Diagnose?

Der erste Schritt bei einem Verdacht auf eine Depression führt zum Arzt Deines Vertrauens. Der Hausarzt kann die körperlichen Symptome auf organische Ursachen hin überprüfen. Sind diese ausgeschlossen, wird er je nach Ausprägung der Depression auf einen Psychologen, einen Psychiater, einen Psychotherapeuten oder einen Neurologen verweisen.

Der Psychologe bietet nach 5jährigem Studium der Psychologie an der Universität ausführliche und testpsychologische Diagnostik durch. Er steht jedoch auch für therapeutische Gespräche und Supervision zum Verlauf der Therapie sowie auftretenden Problemen zur Verfügung.

Der Psychiater ist der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er hat sich nach dem Medizinstudium über eine mehrjährige Weiterbildung einschließlich einer Facharztprüfung auf psychische Erkrankungen spezialisiert. In der Regel macht er eine ausführliche Anamnese, psychologische sowie neurologische Tests und stellt eine konkrete Diagnose. Anhand von Diagnose und Ursache bietet er geeignete Behandlungsvorschläge an. Zudem ist er der Begleiter für die medikamentöse Therapie, da nur er nötige Arzneimittel, beispielsweise Antidepressiva, verschreiben kann.

Der Psychotherapeut begleitet die Psychotherapie, die mit verschiedenen Elementen entsprechend dem Krankheitsbild gestaltet sein kann. Vielfach sind Psychotherapeuten entweder auf die tiefenpsychologisch fundierte Therapie oder auf die Verhaltenstherapie spezialisiert.

Der Therapeut bietet je nach Schwerpunkt neben der klassischen Gesprächstherapie auch Bewegungstherapie, Lichttherapie, Kunsttherapie und viele weitere Varianten an. Die richtige Wahl der Therapie hilft, den Erkrankten im Genesungsprozess zu unterstützen.

Der Neurologe wird hinzugezogen, wenn bei der Depressionsbehandlung auch körperliche Aspekte eine Rolle spielen. Er unterstützt bei somatischen Beschwerden des vegetativen Nervensystems. Er kann jedoch auch für das Abgrenzen zwischen körperlichen und psychischen Beschwerden eine wichtige Rolle spielen.

Wie lässt sich eine Depression behandeln?

Um eine Depression behandeln zu können, bedarf es der differenzierten Ursachenforschung, um das Problem direkt am Ursprung zu lösen und zu klären. Finden sich die Ursachen im Bereich der psychosozialen Bereiche, macht es Sinn, über eine passende Psychotherapie neue Handlungsoptionen zu erörtern. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Depression aufgrund von Überlastung.

Der Patient muss in diesem Fall lernen, seine Energie durch die Ermittlung von Prioritäten zu lenken, gegebenenfalls Aspekte auszuschließen („Nein-Sagen lernen“) oder neue Strategien im Umgang mit den Belastungen entwickeln.

Die gleiche Behandlung wäre hingegen bei einer

  • Angststörung wie einer Agoraphobie (Angst vor öffentlichen Plätzen, bekannt auch als „Platzangst“) wenig zielführend. Statt dessen müssen hierbei Strategien entwickelt werden, die aufkommende
  • Panikattacken zu bekämpfen, und die Angst durch veränderte Verhaltensmuster langsam bewältigt werden.

Ist die psychotherapeutische Behandlung nicht ausreichend oder muss eine depressive Episode aufgrund gravierender Einschränkungen des Alltags, selbstverletzendem Verhalten oder Suizidgedanken schnell behandelt werden, kann die medikamentöse Therapie zeitnah zum Einsatz kommen.

Psychotherapie für individuelle Depressions-Problematiken

Die Psychotherapie besteht dabei in der Regel aus mindestens 10 Sitzungen, die im Abstand von wenigen Wochen den Patienten bei seiner Veränderung der Krankheitssituation begleiten. Die Psychotherapie kann tiefenpsychologisch erfolgen oder über die Verhaltenstherapie beim Genesungsprozess unterstützen. Als Hilfsmittel dienen unterschiedliche Formen der Psychotherapie, bei denen

  • Atemtechniken,
  • Entspannungstechniken wie
    • Yoga,
    • progressive Muskelentspannung oder
    • Bewegungselemente (Bewegungstherapie)

in die Sitzungen entsprechend dem jeweils akuten Bedarf eingebracht werden. Mitunter werden diese auch begleitend zu den psychotherapeutischen Gesprächssitzungen empfohlen.

Der wichtigste Aspekt für den Erfolg der Psychotherapie ist jedoch die Mitwirkung des Patienten. Hilfreich sind auch weiterführende Aktionen wie die Teilnahme des Patienten an einer Depression-Selbsthilfe.

Hierfür gibt es in nahezu allen Städten heute Selbsthilfegruppen und Selbsthilfetreffen. Sie dienen dem Austausch zwischen Betroffene und / oder Angehörige über die Depression und ihre Auswirkungen auf das eigene Leben auf. Anlaufstellen finden sich in regionalen Zeitungen oder bei spezialisierten Gemeinschaften, beispielsweise bei:

Deutschland:

 

  • Jederzeit erreichbar ist auch die Telefonseelsorge – www.telefonseelsorge.de
    unter der kostenfreien Rufnummer 08 00/1 11 02 22

Österreich:

Medikamente als Hilfestellung bei Depression

Kommt eine Psychotherapie für die Akutsituation nicht in Frage oder ist eine solche nicht ausreichend, können Medikamente wie Antidepressiva und Phytopharmaka sinnvoll sein.

Unter Phytopharmaka werden Medikamente verstanden, die auf der natürlichen Wirkung bewährter Heilpflanzen beruhen. Hierzu zählen unter anderem

  • das Johanniskraut und
  • der Baldrian,
  • aber auch entspannungsfördernde Arzneimittel mit Melisse oder Lavendel.

Somit können Zustände der Gereiztheit, der inneren Anspannung aber auch Schlafstörungen oft bei leichteren Depressionen gemindert werden.

Antidepressiva sind Arzneimittel, welche auf den Gehirnstoffwechsel ausgleichend wirken, um die Depression bei der Ursache in einem Ungleichgewicht, beispielsweise einen Serotoninmangel, zu beseitigen. Sie werden unterschieden in

  • Trizyklische Antidepressiva (TZA),
  • selektive Wiederaufnahmehemmer,
  • Monoaminoxidasehemmer und weitere Antidepressiva.

Zu den Trizyklischen Antidepressiva, die mehrere Botenstoffe ansprechen, zählen beispielsweise

  • Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI),
  • Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmerf (NRI) und
  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI).

Selektive Wiederaufnahmehemmer, wirken auf einzelne Botenstoffe, beispielsweise als

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI),
  • Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmerf (SNRI) und
  • Serotonin-/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) oder
  • Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (DRI).

Die Monoaminoxidasehemmern (MAOI bzw. RIMA senken die Wirkung der Botenstoffe auf das Gehirn. Mit den verschiedenen Antidepressiva wird versucht, ein Ungleichgewicht im Gehirnstoffwechsel zu beheben, um die Wirkung der Botenstoffe auf die Depression zu verändern.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Antidepressiva, die beispielsweise bei Schlafstörungen und anderen Problemen eingesetzt werden, bei denen die vorgenannten Mittel nicht helfen. Hierzu zählen Noradrenerge und serotonerge Antidepressiva (NaSSA). Einen besonderen Stellenwert nimmt unter den weiteren Antidepressiva das Ketamin ein, das zur schnellen Akutbehandlung bei depressiven Notfällen (z.B. Suizidgefahr) zum Einsatz kommt.

Viele Antidepressiva wirken erst nach einer mehrwöchigen Einnahmezeit, bieten dann jedoch eine effektive Linderung der Depression. Manche Präparate bauen einen Wirkstoffspiegel auf oder können bei fehlerhafter Einnahme zu Abhängigkeit führen. Entsprechend ist bei der medikamentösen Therapie ein guter Austausch mit dem Psychiater und eine effiziente Beobachtung der Wirkung notwendig.

Unterstützende Maßnahmen für die Behandlung der Depression finden sich in einer

  • guten Ernährung,
  • regelmäßiger Bewegung und Aufenthalten an der frischen Luft.

Diese Maßnahmen haben beispielsweise Einfluss auf die Bildung von Melantonin („Schlafhormon“) und Serotonin. Ein guter Gehalt an Vitamin D und Tryptophan aus der ausgewogenen Ernährung gilt ebenfalls als förderlich für Menschen mit Depressionen.

Wie sind die Heilungschancen einer Depression?

Heilungschancen

Die Prognose für eine Heilung der Depression ist sehr individuell. Eine völlige Heilung und eine Garantie, dass die Depression nicht mehr wieder kommt, gibt es nicht. Doch eine erfolgreiche Behandlung einer akuten Episode lässt durch die Berücksichtigung der Erkrankung im zukünftigen Alltag eine positive Prognose zu.

Die Beseitigung der Ursachen und die aktive Mitarbeit des Patienten sind wesentliche Bestandteile des Heilungsprozesses, der mit dem Überwinden einer depressiven Episode anfängt. Medikamentöse Therapien können je nach Art und Ursache der Depression lebenslang notwendig sein und sollten entsprechend regelmäßig auf ihre Wirkung und den weiteren Bedarf mit dem Facharzt geprüft werden.

Hinzu kommt die Bereitschaft zur Prävention, um ein neues Auftreten der Depression zu vermeiden. Wer einmal an einer Depression erkrankt ist, hat ohne entsprechende Selbstfürsorge ein hohes Risiko für einen Rückfall in die Erkrankung. Umgekehrt bieten sich sehr gute Perspektiven, wenn der Patient bereit ist, positive Einflüsse in den künftigen Alltag zu integrieren.

Insbesondere bei Depressionen mit psychosozialen Hintergründen ist es wichtig, im Rahmen ener Therapie die individuellen Trigger (=Schlüsselreize als Verstärker oder Auslöser) kennenzulernen.

Diese können durch eine positive Konditionierung aufgelöst und durch neue Strategien anders als zuvor bewältigt werden. Auch die Annahme von Hilfe und das frühzeitige Erkennen von entstehenden Problemen sollten nach der Bewältigung einer Depression volle Aufmerksamkeit erhalten. Somit lässt sich oft erreichen, dass die Erkrankung in der Zukunft keine Rolle mehr spielt.

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