Burn out – frühzeitig erkennen, Vorbeugen und Heilen

Burn out scheint in den vergangenen Jahren ein Massenphänomen geworden zu sein. Fast täglich wird über Burn out in den Medien berichtet. Immer mehr Menschen leiden am Burnout Syndrom.

  • Aber ist dieses Burnout Syndrom eine klar definierte Krankheit?
  • Wie unterscheidet sich Burn out von einer Depression?
  • Woran erkennt man die Erkrankung?

Viele Fragen wurden noch nicht anschließend beantwortet. Dabei ist der Begriff gar nicht mehr so neu.

Der Begriff Burn out wurde in den 1970er Jahren vom amerikanischen Psychologen Herbert Freudenberger geprägt. Er benutzte den Begriff, um die Folgen von schwerem Stress in helfenden Berufen zu beschreiben. Burn out betraf Ärzte und Krankenschwestern, die sich für andere aufopfern und am Ende ausgebrannt und erschöpft waren. Die Betroffenen waren lustlos und unfähig, selbst mit ihrer Situation fertig zu werden.

Heutzutage wird der Begriff nicht nur für helfenden Berufe angewendet. Es scheint, dass es jeden treffen kann, von der gestressten Sekretärin über Prominente bis hin zum überlasteten Angestellten und Hausfrauen.

Ist Burn out eine medizinische Diagnose?

Überraschenderweise gibt es keine klare Definition, was Burn out wirklich ist.

Daher ist nicht klar, was Burn out genau ist und wie es diagnostiziert werden kann. Dies macht es unmöglich zu sagen, wie weit verbreitet das Burnout Syndrom tatsächlich ist.

Einige deutsche Krankenversicherungen sagen, dass bis zu neun Millionen Menschen in Deutschland davon betroffen sind. Diese Zahlen sollten jedoch mit Vorsicht aufgenommen werden. Es liegen keine verlässlichen wissenschaftlichen Daten darüber vor, wie viele Menschen in Deutschland an einem Burn out leiden.

Experten haben sich noch nicht darauf geeinigt, wie die Erkrankung definiert werden kann. Und genau genommen gibt es keine Diagnose „Burn out“.

Dies ist anders, als wenn beispielsweise eine Depression diagnostiziert wird. Eine Depression ist eine weithin akzeptierte und gut untersuchte Krankheit.

Bei Burn out ist das nicht der Fall. Einige Experten denken, dass andere Bedingungen hinter dem „ausgebrannt“ sein stecken.

Wie eine Depression oder eine Angststörung. Körperliche Erkrankungen können auch zu Burn out ähnlichen Symptomen führen. Wird die Erkrankung zu früh diagnostiziert, kann dies bedeuten, dass die eigentlichen Probleme nicht identifiziert und entsprechend behandelt werden.

Bedeutet leer und erschöpft sein schon Burn out?

Ein stressiger Lebensstil kann Menschen extrem unter Druck setzen.

Die Betroffenen fühlen sich

  • erschöpft,
  • leer und
  • ausgebrannt

Stress bei der Arbeit kann auch körperliche und seelische Symptome verursachen. Mögliche Ursachen sind

  • dauerhafte Überlastung oder Unterforderung
  • Zeitdruck oder Konflikte mit Kollegen.
  • Ein extremes Engagement zum Beispiel bei der Pflege von Angehörigen kann ebenfalls die Ursache sein.

Dies führt dazu, dass Menschen ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigen. Probleme durch Stress bei der Arbeit sind ein häufiger Grund für krankheitsbedingte Fehlzeiten. Manchmal können Veränderungen im Arbeitsumfeld und eine konkretere Unterstützung im Alltag bei Problemen am Arbeitsplatz oder bei der Pflege kranker Angehöriger helfen.

Erschöpfung ist eine normale Reaktion auf Stress. Erschöpfung ist kein Anzeichen von Krankheit. Burn out beschreibt eine Reihe von Symptomen. Diese Symptome sind mehr als eine normale Reaktion auf Stress.

Woran kann man einen Burn out frühzeitig erkennen?

Es wird angenommen, dass die Erkrankung eine breite Palette von Symptomen aufweist. Es besteht jedoch keine generelle Übereinstimmung darüber, welche das sind. Selbst Fachleuchte sind sich hier nicht einig. Alle bisher aufgestellten Definitionen haben eines gemeinsam:

Sie gehen davon aus, dass die Symptome durch arbeitsbedingte oder andere Arten von Stress verursacht werden.

wie zum Beispiel die Pflege eines Familienmitglieds außerhalb der Arbeitzeit.

Es gibt drei Hauptbereiche von Symptomen, die als Anzeichen von Burn out gelten:

  •  Emotionale Erschöpfung

Von der Erkrankung betroffene Menschen fühlen sich ausgelaugt und sind emotional erschöpft. Sie sind unfähig ihre Situation zu verbessern. Sie sind ständig müde und niedergeschlagen und haben nicht genug Energie. Zu den körperlichen Symptomen gehören Schmerzen, Schlafstörungen und Magen- oder Darmprobleme.

  • Entfremdung

Menschen mit Burn out finden ihre Arbeit zunehmend stressig und frustrierend. Oft beginnen sie, über ihre Arbeitsbedingungen und ihre Kollegen zynische Bemerkungen zu machen. Gleichzeitig distanzieren sie sich zunehmend emotional von ihrer Arbeit. Die Erkrankung kann dazu führen, dass sich die Betroffenen immer mehr von ihren sozialen Kontakten, Freunden und Familie entfernen.

  • Reduzierte Leistungsfähigkeit

Burn out betrifft hauptsächlich die alltäglichen Aufgaben bei der Arbeit. Aber auch häusliche Aufgaben oder die Pflege von Familienmitgliedern sind betroffen. Menschen mit Burn out sind sehr negativ in Bezug auf ihre Aufgaben. Ihnen fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Sie sind lustlos und haben keine Kreativität.

Wie wird Burn out diagnostiziert?

Es gibt keine gut untersuchten wissenschaftlichen Methoden zur Diagnose von Burn out. Es gibt verschiedene Fragebögen zur Selbsteinschätzung. Da es jedoch keine allgemein anerkannte Definition gibt, ist nicht klar, ob Fragebögen die Erkrankung tatsächlich messen können.

Zudem ist nicht geklärt, ob mit Fragebögen Burn out von anderen Krankheiten unterschieden werden kann.

Der am häufigsten genutzte Fragebogen ist das 

„Maslach Burnout Inventory“ (MBI).

Der Fragebogen wurde bereits 1981 von der amerikanischen Psychologin Christina Maslach entwickelt. Der Test steht für verschiedene Berufsgruppen zur Verfügung. Aber, dieser Fragebogen wurde ursprünglich für Forschungszwecke entwickelt, nicht für Ärzte oder die Selbstdiagnose.

Bitte beachte: Der folgende Test kann nur erste Hinweise geben. Der Test kann Dir zeigen, ob Du unter einer hohen Belastung stehst. Und ob Du Dich selbst zusätzlich unter Druck setzt. Der Test ist kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung. Nur eine ärztliche Untersuchung kann Klarheit bringen, ob eine Behandlung erforderlich ist.

Burnout Test

Wenn Du mehr als die Hälfte der folgenden Aussagen mit Ja beantworten kannst, ist es ratsam, einen Gang zurückzuschalten und Dir Hilfe zu suchen.

Welche Aussagen treffen auf Dich zu?

1. Meine Arbeit erschöpft mich emotional

2. Am Ende meines Arbeitstages fühle ich mich leer und verbraucht

3. Wenn ich an einem neuen Arbeitstag morgens aufstehe, bin schon müde

4. Ich behandle andere Menschen, als wären sie Objekte und keine Menschen

5. Mich strengt es sehr an, den ganzen Tag mit Menschen zusammenzuarbeiten

6. Ich habe das Gefühl, durch meine Arbeit ausgebrannt zu sein

7. Menschen gegenüber bin ich gefühlloser geworden

8. Ich glaube, dass mich meine Arbeit weniger mitfühlend gemacht hat

9. Ich fühle mich meist kraftlos und habe keine Energie

10. Meine Arbeit bereitet mir keine Freude, sie frustriert mich

11. Ich denke immer, dass ich zu hart arbeite, ohne eine entsprechende Anerkennung

12. Wie es anderen Menschen ergeht, interessiert mich meistens nicht

13. Der direkte Kontakt zu Menschen bei der Arbeit ist für mich sehr stressig

14. Mir fällt es schwer, eine entspannte Atmosphäre bei der Arbeit zu schaffen.

15. Ich bin am Ende meiner Weisheit. Dieses Gefühl habe ich immer.

Fragebögen sind nicht geeignet, um zweifelsfrei festzustellen, ob jemand an Burn out leidet. Die Burnout Anzeichen können durch etwas anderes verursacht werden. Dazu gehören psychische oder psychosomatische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder ein chronisches Erschöpfungssyndrom. Aber auch körperliche Krankheiten oder bestimmte Medikamente können Symptome wie Erschöpfung und Müdigkeit verursachen. Daher ist es wichtig, zusammen mit einem Arzt andere mögliche Ursachen in Betracht zu ziehen.

Tiefergehende Informationen zum Thema Burn out findest Du auch hier: Differentialdiagnostik des
Burnout-Syndroms

Was ist der Unterschied zwischen Burn out und einer Depression?

Bestimmte typische Symptome des Burnouts treten auch bei Depressionen auf. Diese sind:

  • extreme Erschöpfung,
  • das Gefühl ausgebrannt zu sein
  • und eine verminderte Leistungsfähigkeit.

Da die Symptome ähnlich sind, wird bei einigen Menschen Burn out diagnostiziert werden, obwohl sie unter einer Depression leiden.

Du solltest daher wirklich vorsichtig sein, und die Erkrankung nicht zu schnell selbst diagnostizieren. Dies könnte zu einer ungeeigneten Behandlung führen.

Zum Beispiel könnte jemand mit Depressionen empfohlen werden, einen längeren Urlaub oder Freizeit von der Arbeit zu nehmen. Für Menschen, die wegen der Arbeit nur erschöpft sind, kann da der richtige Rat sein. Aber bei Menschen mit Depressionen könnte es die Situation sogar verschlimmern. Bei einer Depression sind andere Behandlungsmethoden erforderlich.

Einige Merkmale der Erkrankung sind jedoch sehr spezifisch.

Zum Beispiel sind die meisten Probleme arbeitsbedingt.

In der Depression geht es bei negativen Gedanken und Gefühlen nicht nur um Arbeit, sondern um alle Lebensbereiche. Andere typische Symptome der Depression sind

  • geringe Selbstachtung,
  • Hoffnungslosigkeit und
  • Gedanken an Selbstmord.

Diese gelten nicht als typische Symptome von Burn out. So haben Menschen mit Burn out nicht immer eine Depression. Die Erkrankung kann jedoch das Risiko erhöhen, an einer Depression zu erkranken.

Ist es nun Burn out oder eine Depression?

Die Definitionen der beiden Krankheiten liegen nahe beieinander.

Die Unterschiede wollte eine aktuelle Studie im International Journal of Stress Management herausarbeiten.

Die Studie hatte ein unerwartetes Ergebnis.

Von 5.000 befragten Lehrern erfüllten 90 Prozent mit Burnout Syndrom auch die Kriterien für eine Depression.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine im Journal of Health Psychology veröffentliche Studie. Dabei wurden Arbeiter mit Burn out und depressive Patienten miteinander verglichen.

Auch hier waren die Symptome wie Schlafveränderungen, Müdigkeit oder die Unfähigkeit Vergnügen an Aktivitäten zu finden bei beiden Gruppen vorhanden.

Die Symptome beider Erkrankungen sind sich zwar sehr ähnlich, aber es gibt wesentliche Unterschiede.

David Hellerstein, MD, Professor für klinische Psychiatrie an der Columbia University in New York sagt zum Beispiel:

„Wenn die Symptome außerhalb des Büros, wenn sie andere Dinge tun als arbeiten, besser werden, dann ist es eher Burn out als eine Depression.“ „Es gibt auch eine klare Linie, wenn es um die Behandlung geht.“

so Professor Hellerstein weiter.

„Eine neue Arbeit oder eine neue Büroumgebung helfen niemanden, der unter einer Depression leidet.“

 
 
 

Kann aus einem Burn out eine Depression werden?

Der Zustand von Menschen mit Burn out durchläuft meist mehrere Stufen. Das letzte Stadium ist oft eine vollkommene Erschöpfung und fehlender Antrieb. In diesem Stadium ist der Übergang zur Depression fließend.

  •  Niedergeschlagenheit
  • Antriebslosigkeit und
  • Verlust jeglichen Interesses

sind typische Anzeichen für eine Depression. Dies Symptome zeigen sich aber auch bei einem weit fortgeschrittenen Burn out. Hinzu kommen ein fast grenzenloser

  • Pessimismus,
  • Schlafstörungen,
  • mangelndes Selbstvertrauen und
  • Selbstmordgedanken.

Wie kann Burn out behandelt werden?

Burn out erfordert von den Betroffenen eine Verhaltensänderung:

Entweder innerhalb des Jobs oder eine Veränderung der Karriereplanung und eventuell ein neuer Job. Bei einem Burn out kann die Arbeitsunfähigkeit mehrere Monate andauern. Eine Psychologin hat es einmal so formuliert:

Wenn Sie im Fitnessstudio beim Bankdrücken alleine keine 100 kg gestemmt bekommen, dann müssen sie jemanden um Hilfe bitten. Oder das Gewicht reduzieren. Geschieht keins von beiden, wird es immer schwerer, das Gewicht überhaupt nur ein wenig anzuheben. Die Muskeln sind einfach erschöpft.

Bei einem Burn out ist es ähnlich. Je länger Du es vermeidest, mit dem Burn out umzugehen, ihn zu akzeptieren, desto schlimmer wird es. Und wenn Du Deiner Situation selbst nicht entkommen kannst oder Hilfe außerhalb der Arbeit suchst, kann dies dazu führen, dass sich im Laufe der Zeit eine Depression entwickelt.

Darüber hinaus ist eine individuelle Therapie erforderlich. Dies kann eine Hypnosetherapie oder auch eine Gesprächstherapie. Oder beides sein. Das kann nur ein Arzt entscheiden. Wichtig ist es, zu lernen, die eignen psychischen und physischen Ressourcen realistisch einzuschätzen. Strukturen im Alltag, mit denen ein Ausgleich zur Arbeit geschaffen wird, können ebenfalls hilfreich sein.

Auch die Ursachen für den Burn out müssen ermittelt und abgestellt werden.

Ein wichtiger Punkt ist hierbei, das Streben nach absoluter Perfektion und den Wunsch immer alles richtig zu machen, aufzugeben.

Dann schwindet zumeist auch die Angst etwas falsch zu machen.

Maßnahmen zur Vorbeugung eines Burn out

Auf dem Weg zum Burn out fühlen sich viele Menschen hilflos. Es gibt jedoch positive Schritte, die jeder ergreifen kann, um mit den Burn out Anzeichen umzugehen und das Leben wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Einer der effektivsten ist es, mit anderen zu reden. Oft sind es die kleinen Dinge, die dazu beitragen, dass es erst gar nicht zu einem Burn out kommt.

Soziale Kontakte sind ein natürliches Gegenmittel gegen Stress

Sich von Angesicht zu Angesicht mit einem guten Zuhörer zu unterhalten ist ein guter Ansatz. Das vertrauliche Gespräch ist eine der schnellsten Möglichkeiten, um das Nervensystem zu beruhigen und Stress abzubauen.

Die Person, mit der Du sprichst, muss nur ein guter Zuhörer sein. Es sollte jemand sein, der aufmerksam zuhört, ohne abgelenkt zu werden oder Dich zu beurteilen. In der Tat werden die meisten Freunde geschmeichelt sein, dass Du ihnen genug vertraust, um Dich ihnen anzuvertrauen.

Investieren Zeit in Deine engsten Beziehungen. Zum Beispiel Deinen Partner, Deinen Kindern oder Freunden. Versuchen alles beiseitezulegen, was Dich auslaugt und nutze die Zeit, die Du mit Deinen Lieben verbringst, positiv.

Begrenze den Kontakt mit negativen Menschen. Mit negativ eingestellten Leuten zusammen zu sein, wird nur Deine Stimmung nach unten ziehen. Wenn Du mit einer negativen Person arbeiten musst, versuche die Zeit zu begrenzen, die Du mit ihr zusammen verbringen musst.

Grenzen setzen und lernen „Nein“ zu sagen

Burn Out

Egal, ob Du einen Job hast, der Dir im Grunde Spaß macht, oder einen, der eintönig und unerfüllbar ist. Der effektivste Weg, die Erkrankung zu bekämpfen, ist, einen neuen Job zu finden.

Für viele ist der Wechsel von Beruf und Karriere keine praktische Lösung. Wenn dies keine Lösung ist, versuche einen Wert in dem zu finden, was Du tust. Konzentrieren Dich auf Aspekte des Jobs, die Du gerne tust.

Lerne „Nein“ zu sagen zu Dingen, die man Dir auftragen will, die Dich aber mit Sicherheit überfordern werden. Eine Änderung der Einstellung zum Job kann helfen, ein Gefühl für den Sinn zu finden und die Kontrolle zu gewinnen. Lerne Deine eigenen Grenzen kennen. Respektiere sie. Dann werden auch andere Deine Grenzen respektieren.

 

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